Inhalt
- Was sich seit der Broadcom-Übernahme bei VMware geändert hat
- Die Oktober-2027-Deadline: Was sie wirklich bedeutet, und was nicht
- Was die neuen Lizenzkosten für den Mittelstand konkret bedeuten
- Welche Optionen Sie als Mittelständler jetzt haben
- Der oft übersehene Faktor: Was kommt nach der Migration?
- Eine pragmatische Roadmap für die nächsten 18 Monate
- Fazit
- Hilfreiche Inhalte zur VMware Ablösung:
- FAQ
- Mehr Inhalte zur VMware Ablösung
Ihr Unternehmen hat den Abschied von VMware beschlossen. Jetzt stellt sich die Frage: Hyper-V oder Proxmox? Dieser Vergleich erklärt die Unterschiede ohne Technik-Jargon, damit Sie die Folgen für Ihr Unternehmen einschätzen können.
Warum gerade diese zwei Plattformen?
Es gibt mehr als zwei potenzielle Hypervisor-Nachfolger für VMware. Für ein mittelständisches Unternehmen mit 6-200 virtuellen Maschinen sind die meisten davon aber überdimensioniert oder zu speziell.
In der Praxis bleiben zwei realistische Optionen übrig. Die eine ist Microsoft Hyper-V, fest verbunden mit der Microsoft-Welt, ein Tech-Stack den ohnehin viele Unternehmen bereits einsetzen. Die andere ist Proxmox, eine quelloffene Lösung ohne Lizenzgebühr für die Software selbst.
Der Anlass für die Suche ist meistens derselbe. Der Hersteller-Support für die aktuelle VMware-Version endet am 11. Oktober 2027. Danach gibt es die Software nur noch im Abo-Modell, der einmalige Lizenzkauf ist abgeschafft.
Dazu kommen die Kosten. Seit der Übernahme durch Broadcom berichten Kunden von Preissteigerungen um das Acht- bis Fünfzehnfache. Mindestabnahmen wurden erhöht, Produktpakete zusammengestrichen. Gerade kleinere Umgebungen trifft das hart.
Hyper-V einfach erklärt
Stellen Sie sich Hyper-V als den Teil vor, der in der Microsoft-Server-Welt schon eingebaut ist. Wenn Ihr Unternehmen ohnehin mit Windows arbeitet, fügt sich Hyper-V meistens ohne große Reibung ein.
Der Vorteil: Ihr IT-Team kennt die Umgebung und muss wenig Neues lernen. Wer bestimmte Microsoft-Lizenzen bereits im Haus hat, bekommt die Virtualisierung faktisch obendrauf.
Die Kehrseite zeigt sich im Detail. Für komfortable Verwaltung und Datensicherung braucht es häufig Zusatzprogramme, die extra kosten. Und sobald viele virtuelle Server und hohe Ausfallsicherheit gefragt sind, landet man bei einer teureren Lizenzstufe.
Ich sage es mal so: „Kostenlos“ stimmt bei Hyper-V nur auf den ersten Blick.
Proxmox einfach erklärt
Proxmox ist quelloffen (Open-Source). Das bedeutet vereinfacht: Die Software ist frei verfügbar und kostet als Plattform nichts. Sie basiert auf Linux, einem Betriebssystem mit anderer Handschrift als die Microsoft-Welt.
Der Reiz liegt in der Kostenkontrolle. Datensicherung auf Enterprise-Level kann zusätzlich implementiert werden (z. B. mit Veeam). Für den Wechsel von VMware bringt Proxmox Import-Funktionen mit, die den Umzug bestehender Systeme erleichtern. Ganz automatisch läuft das allerdings nicht: Eine VMware-Migration bleibt ein komplexes Projekt, das sauber geplant und begleitet werden muss.
Die Kehrseite: Proxmox setzt Linux-Wissen voraus. Ein reines Windows-Team muss sich umgewöhnen oder Unterstützung holen.
Und der Hersteller-Support ist nicht automatisch dabei. Er kommt über ein optionales Abo, das laut Anbietern ab rund 110 Euro pro Jahr und Prozessor beginnt.
Der Vergleich, der für Geschäftsführer zählt
Technische Datenblätter helfen einem Geschäftsführer wenig. Interessanter ist, was die Wahl für Kosten, Risiken und Abhängigkeiten bedeutet. Genau danach ist diese Tabelle sortiert:
| Worauf es betriebswirtschaftlich ankommt | Hyper-V | Proxmox |
|---|---|---|
| Lizenzkosten über mehrere Jahre | Plattform oft schon vorhanden, aber Zusatz-Lizensierungen und höhere Lizenzstufen treiben die Summe | Software kostenlos, allerdings müssen zusätzliche Funktionen durch Drittanbieter zugekauft werden (z. B. Datensicherung) |
| Abhängigkeit vom Hersteller | Bindung an Microsoft und dessen Lizenzpolitik | Geringe Bindung, da quelloffen und kein Zwang zum Abo |
| Personal und Know-how | Vorhandenes Windows-Wissen reicht meist aus | Linux-Wissen nötig, also Schulung oder externe Hilfe |
| Dienstleister am Markt | Sehr viele Anbieter, leicht zu finden | Wachsende, aber kleinere Auswahl an Spezialisten |
| Planbarkeit und Budgetsicherheit | Abhängig von Microsofts Preismodell | Gut kalkulierbar. Wobei mögliche Preissteigerungen externer Add-Ons berücksichtigt werden sollten |
| Umgang mit Sicherheitslücken | Sicherheitsupdates kommen über Microsofts etablierte Update- und Supportprozesse | Quellcode ist offen, aber eine verbindliche Garantie für die Behebung jeder Sicherheitslücke entsteht daraus nicht. Klare Verantwortung über internes Know-how, Partner oder Support-Abo sinnvoll |
| Passung zur bestehenden IT | Sehr gut bei Microsoft-geprägten Umgebungen | Sehr gut bei Linux-Affinität |
| Aufwand der Umstellung | Vertraute Werkzeuge, moderate Einarbeitung | Wechsel-Assistent hilft, aber neues Betriebssystem |
Lesen Sie die Tabelle nicht als Punktsieg-Wertung. Eine Zeile, bei der Sie innerlich zögern, ist oft wichtiger als fünf, bei denen beide gleichauf liegen.
Was die Tabelle für Ihre Entscheidung bedeutet
Aber welche Zeile wiegt am schwersten? Für die meisten Unternehmen sind es drei Kriterien. Wenn Sie die ehrlich beantworten, ergibt sich die Richtung fast von selbst:
- Womit arbeitet Ihr Unternehmen heute? Eine reine Microsoft-Welt spricht eher für Hyper-V. Offenheit für Linux eher für Proxmox.
- Was kann Ihr Team wirklich? Nicht auf dem Papier, sondern im Alltag.
- Wie wichtig ist planbares Budget? Wer feste, vorhersehbare Kosten will, findet bei Proxmox die klarere Kalkulation.
Daraus lässt sich grob ableiten:
- Hyper-V passt, wenn Ihre IT stark auf Microsoft setzt, Ihr Team das beherrscht und Sie den vertrautesten Weg ohne große Umstellung suchen.
- Proxmox passt, wenn Sie auf Kostenkontrolle und Unabhängigkeit vom Hersteller Wert legen und bereit sind, Linux-Wissen aufzubauen oder einzukaufen.
Noch ein praktischer Punkt, falls Sie die Plattform im eigenen Haus betreiben wollen und das Know-how dafür nicht im Team haben: Suchen Sie sich frühzeitig einen Partner in Ihrer Nähe.
Für Microsoft Hyper-V finden Sie deutlich mehr spezialisierte Dienstleister als für Proxmox. Das sollte in Ihre Entscheidung mit einfließen, denn im Ernstfall zählt nicht nur, ob jemand helfen kann, sondern wie schnell.
Wenn Sie bei der Frage nach dem Können Ihres Teams kurz zögern, ist das ein wichtiges Signal. Dann ist nicht die Plattform die offene Frage, sondern wer den Betrieb danach übernimmt.
Einschätzung von Jan Wiechmann, Leiter IT-Infrastrukturprojekte bei SAC: „Ein Punkt, der viel zu wenig diskutiert wird: Proxmox beschäftigt rund 30 bis 40 Mitarbeiter und hat in kurzer Zeit einen massiven Kundenzuwachs erlebt. Daten über Ausgaben für Sicherheitsforschung sind nicht öffentlich. Dem gegenüber steht Microsofts „Secure Future Initiative“ mit einer zugesicherten Investition von 20 Milliarden US-Dollar. Das ist nicht nur für Hyper-V, aber es ist eine ganz andere Hausnummer.“
Der oft unterschätzte Punkt: der Betrieb nach der Umstellung
Die Umstellung selbst ist ein Projekt mit Anfang und Ende. Der Betrieb läuft danach jeden Tag weiter. Genau hier scheitern viele Vorhaben, nicht an der Technik, sondern an der Frage, wer die neue Plattform dauerhaft stabil hält.
Beide Plattformen sind solide. Aber eine Server-Landschaft, die wackelt, zieht alles mit nach unten: Fachanwendungen, Daten, und auch jedes Digitalisierungs- oder KI-Vorhaben, das Sie als Nächstes planen. Ohne stabiles Fundament bleibt das ein teures Pilotprojekt.
Deshalb gehören Plattformwahl und Betriebsfrage zusammen gedacht. Bei SAC betrachten wir die Umstellung nicht als einmalige Aktion, sondern als Einstieg in einen dauerhaft betreuten Betrieb. Die Plattform ist das Fundament für alles Weitere, nicht das Ziel.
Wer das von Anfang an mitdenkt, trifft die Entscheidung gelassener. Denn dann hängt die Zukunftssicherheit nicht an einer einzelnen Produktwette, sondern an einem Fundament, das stabil und planbar bleibt.
Fazit
Diese Entscheidung sollten Sie nicht im Bauch treffen, sondern mit jemandem, der die Folgen für den Betrieb kennt. Holen Sie sich diese Einschätzung früh, nicht erst kurz vor 2027.
Hilfreiche Inhalte zur VMware Ablösung:

Der Artikel ist von
Jan Wiechmann
Jan Wiechmann leitet die Infrastruktur bei SAC und verantwortet den Betrieb sowie die Weiterentwicklung der IT-Systemlandschaft am Standort Darmstadt.
FAQ
Muss ich als Geschäftsführer diese Entscheidung technisch verstehen?
Nein. Sie müssen die Folgen verstehen: Kosten über mehrere Jahre, Abhängigkeit vom Hersteller und das nötige Personal. Die technische Bewertung gehört in fachkundige Hände. Ihre Aufgabe ist, die richtigen Fragen zu stellen und die Entscheidung sauber zu delegieren.
Ist Proxmox wirklich kostenlos?
Die Software ist kostenfrei. Geld kostet der Betrieb: ein optionales Support-Abo für verlässliche Hilfe im Ernstfall und Personal, das Linux beherrscht. Für einen verlässlichen Geschäftsbetrieb ist das Abo in der Regel sinnvoll. „Kostenlos“ bezieht sich nur auf die Hypervisor-Anwendung selbst.
Welche Lösung ist günstiger für mein Unternehmen?
Das hängt von Ihrer Ausgangslage ab. Hyper-V wirkt günstig, wenn Microsoft-Lizenzen vorhanden sind, kann aber durch Zusatzprogramme teurer werden. Proxmox spart bei der Software, verlagert die Kosten aber auf Support und Betrieb. Entscheidend ist die Gesamtsumme über Jahre.
Wie risikoreich ist der Wechsel von VMware?
Beherrschbar, wenn er sauber geplant ist. Wichtig ist eine ehrliche Bestandsaufnahme vorab und ein Partner, der Umstellung und späteren Betrieb begleitet. Das größere Risiko ist meist nicht der Wechsel selbst, sondern ein fehlender Plan für den Betrieb danach.
Welche Plattform ist zukunftssicherer?
Beide sind langfristig tragfähig. Zukunftssicherheit entsteht weniger durch die Produktwahl als durch stabilen, gut betreuten Betrieb. Entscheidend ist, dass die Lösung zu Ihrer IT, Ihrem Team und Ihrem Budget passt, nicht der Name des Herstellers.





