Wenn Sie aktuell VMware auf eigenen Servern betreiben, wird Ihre nächste Lizenzverlängerung vermutlich unangenehm. Dieser Artikel zeigt Ihnen, was sich seit der Broadcom-Übernahme wirklich geändert hat, welche Mythen Sie ignorieren können und wann Sie spätestens anfangen sollten zu handeln.
Inhaltsverzeichnis
Was sich seit der Broadcom-Übernahme bei VMware geändert hat
Seit Broadcom Ende 2023 VMware übernommen hat, ist im Lizenzmodell ziemlich viel passiert, und das meiste davon trifft Mittelständler härter als Großkonzerne. Die wichtigsten Veränderungen in der Kurzfassung:
Das Ergebnis ist eine Lizenzkostensteigerung, die je nach Ausgangslage zwischen Faktor 3 und Faktor 5 liegt. Für Großkonzerne ist das eine Verhandlungsrunde. Für einen Mittelständler mit zwei Hosts ist es ein veritables Budget-Problem.
Die Oktober-2027-Deadline: Was sie wirklich bedeutet und was nicht
Hier wird es interessant, weil im Markt aktuell viel Halbwahres kursiert. Ich sage es mal so: Wer Ihnen erzählt, Sie müssten bis Oktober 2027 zwingend auf VCF 9 migriert sein, will Ihnen vermutlich etwas verkaufen.
Der tatsächliche Stichtag: Am 11. Oktober 2027 endet der General Support für vSphere 8. Bis 11. Oktober 2029 läuft danach noch sogenannte „Technical Guidance“, also ein eingeschränkter Support ohne neue Patches.
Was das praktisch bedeutet:
Und der Mythos vom erzwungenen VCF-Full-Stack? Stimmt nicht. Wer aktuell vSphere betreibt und in der Welt bleiben will, kommt mit einem minimalen VCF-Operations-Deployment aus. Ein erzwungener Komplettumbau der Infrastruktur ist das nicht.
Trotzdem: Wenn Sie ehrlich einrechnen, dass eine strukturierte Migration im Mittelstand 8 bis 12 Wochen reine Umsetzung braucht, plus mehrere Monate Vorlauf für Entscheidung und Beschaffung, dann müssen Sie spätestens Mitte 2026 anfangen, sich Gedanken zu machen. Nicht Mitte 2027.
Was die neuen Lizenzkosten für den Mittelstand konkret bedeuten
Ein Beispiel aus der Praxis, das gerade durch die Fachpresse läuft: Die CIIT Software GmbH aus Österreich hat fast 20 Jahre lang VMware betrieben, mit 148 Cores und 79 virtuellen Maschinen. Eine typische Mittelstands-Konstellation.
Nach der Broadcom-Übernahme stieg die VMware-Mindestlizenz auf rund 10.548 Euro pro Jahr. Die Alternative Proxmox Basic kostet 1.770 Euro pro Jahr. Das sind 83 Prozent Ersparnis bei den Lizenzkosten, also rund 8.700 Euro pro Jahr für ein einziges Setup dieser Größe.
Aber, und das ist die wichtige Einschränkung: Lizenzkosten sind nicht TCO. Eine Migration kostet einmalig Projektaufwand. Backup-Lösungen müssen mitmigriert werden. Monitoring, Patch-Management, Dokumentation, Notfallpläne, alles dranhängen. Und Ihr Team braucht möglicherweise Skills, die heute nicht da sind.
Heißt: Die reine Lizenzersparnis ist ein gutes Argument für die Geschäftsführung. Die ehrliche Rechnung sieht etwas anders aus. Sie wird trotzdem in fast allen Fällen positiv für den Wechsel ausgehen, aber eben nicht so spektakulär, wie die Lizenzzahl suggeriert.
Welche Optionen Sie als Mittelständler jetzt haben
Wir sehen in der Beratung aktuell fünf realistische Pfade:
Pfad 1: Bei VMware bleiben
Sinnvoll, wenn Ihre Infrastruktur sowieso vor einer Vergrößerung steht, Sie tief in vSphere-spezifische Features investiert haben (Tanzu, NSX, vSAN) und Budget für die Subscription da ist. Im kleinen Mittelstand mit 2 bis 10 Hosts eher selten die wirtschaftlich beste Option.
Pfad 2: Wechsel auf Microsoft Hyper-V
Der pragmatische Standardweg, wenn Sie sowieso eine Microsoft-geprägte Infrastruktur haben. Lizenz ist im Windows Server enthalten, Ihr Team kennt das Ökosystem, Backup-Hersteller wie Veeam unterstützen es problemlos. In der Praxis fällt diese Entscheidung in mittelständischen Setups häufig.
Pfad 3: Wechsel auf Proxmox VE
Die Open-Source-Alternative auf Linux-Basis. Wirtschaftlich oft die günstigste Variante, technisch ausgereift, aber Sie brauchen Linux-Knowhow im Team oder einen Partner, der das mitbringt. Für preisbewusste Mittelständler eine sehr ernsthafte Option, gerade wenn die Server-Refresh-Welle sowieso ansteht.
Pfad 4: Wechsel auf Nutanix AHV oder ähnliche HCI-Plattformen
Eher etwas für gehobenen Mittelstand mit höheren Anforderungen an Enterprise-Support-SLAs. Preislich liegt das nah an VMware.
Pfad 5: Betriebsmodell statt Hypervisor wechseln
Den übersehen die meisten Vergleichsartikel. Neben der Frage „Welcher Hypervisor?“ sollten Sie sich auch fragen: „Will ich Server überhaupt noch selbst betreiben?“ Wer heute zwei Hosts im Serverraum stehen hat, kann genauso gut auf Housing in einem professionellen Rechenzentrum gehen oder die VMs als Managed Hosting beziehen. Die Hardware-Frage löst sich dann sowieso.
Die richtige Antwort hängt an drei Faktoren:
Der oft übersehene Faktor: Was kommt nach der Migration?
Die meisten Vergleichsartikel hören nach der Frage „Welcher Hypervisor?“ auf. In der Praxis fängt da aber erst der eigentliche Aufwand an.
Ein neuer Hypervisor heißt: neues Backup-Konzept anpassen, Monitoring auf neue APIs umstellen, Notfallpläne überarbeiten, Skills im Team aufbauen oder zukaufen, Patch-Routinen einspielen. Und das alles in einer Welt, in der Ihr IT-Team sowieso schon mit Security, Modern Workplace und Tagesgeschäft ausgelastet ist.
Ich kenne wenige IT-Abteilungen im Mittelstand, die gerade Kapazitäten haben, sich nebenher zu Proxmox-Experten ausbilden zu lassen.
An dieser Stelle sprechen wir bei SAC Klartext: Der Wechsel des Hypervisors ist nicht das Ende vom Projekt, sondern der Anfang vom neuen Betrieb. Wir gehen das Thema bei Kunden so an, dass wir nicht nur die Migration übernehmen, sondern den Betrieb hinterher gleich mit.
Das heißt: Sie tauschen nicht eine technische Abhängigkeit gegen die nächste, sondern lagern den ganzen Bereich an jemanden aus, der das jeden Tag macht. Eine moderne IT-Plattform braucht ein stabiles Fundament im Betrieb, sonst wird die Migration zum Pilotprojekt, das nie richtig produktiv läuft.
Das ist nicht für jeden Mittelständler die richtige Antwort. Wer ein starkes internes Team mit Virtualisierungs-Erfahrung hat, sollte das selbst machen. Wer aber merkt, dass die Migration plus laufender Betrieb das Team überfordern würde: Da gibt es bessere Optionen, als einfach loszulaufen und zu hoffen.
Eine pragmatische Roadmap für die nächsten 18 Monate
Wenn Sie heute starten, sieht ein realistischer Zeitplan ungefähr so aus:
Wer diesen Plan vor sich sieht und denkt „Das ist sportlich“, liegt richtig. Wer denkt „Das fange ich nächstes Jahr an“, liegt falsch.
Fazit
Die wichtigste Deadline ist nicht der 11. Oktober 2027, sondern Ihr nächster Verlängerungstermin. Bis dahin sollten Sie wissen, welchen Pfad Sie gehen. Fangen Sie mit einer ehrlichen Standortbestimmung an, am besten in den nächsten Wochen, nicht im nächsten Quartal.




