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VMware muss abgelöst werden, die Entscheidung ist gefallen. Aber wie läuft so eine Ablösung eigentlich konkret ab? Darum geht es hier. Denn was am Ende meistens schiefläuft, ist nicht die Wahl zwischen Hyper-V und Proxmox, sondern die Reihenfolge.

Anlass ist die VMware-Deadline im Oktober 2027, die viele Mittelständler aktuell zum Handeln zwingt.

Warum die meisten Migrationen zu spät starten

Nicht mehr allzu lange bis Oktober 2027. Das klingt nach viel. Die eigentliche Migration mit allen Phasen, von der Bestandsaufnahme bis zum stabilen Regelbetrieb, dauert bei strukturiertem Vorgehen 2 bis 3 Monate. Eigentlich also entspannt.

Das Problem liegt nicht im Projekt selbst, sondern in dem, was davor und parallel laufen muss:

  • Interne Entscheidungsprozesse und Budgetfreigaben durch die Geschäftsführung 

  • Auswahl eines Dienstleisters 

  • Hardware-Beschaffung (sofern die neue Umgebung On-Premise laufen soll, mit aktuell langen Lieferzeiten) 

  • Tagesgeschäft des IT-Teams, das nebenher weiterläuft 

Genau diese Vorlaufzeit wird systematisch unterschätzt. Laut einer Einschätzung der Everest Group sollten Proof-of-Concepts und kommerzielle Verhandlungen idealerweise bis Mitte 2026 abgeschlossen sein. Das ist jetzt.

Und wer sich an die vSphere-7-Deadline im Oktober 2025 erinnert: Viele Unternehmen haben damals auf vSphere 8 gewechselt, um sich Zeit zu kaufen. Wie Readyworks analysiert, läuft genau diese Strategie jetzt aus. Wer den gleichen Fehler zweimal macht, steht im Herbst 2027 vor einer Notmigration.

Phase 1: Bestandsaufnahme

Bevor Sie irgendetwas planen, brauchen Sie belastbare Zahlen. Nicht ungefähr, nicht aus dem Kopf, sondern dokumentiert.

Was aufgenommen wird:

  • Die virtuelle Umgebung und ihre tatsächliche Auslastung (CPU, RAM, Storage, IOPS): Wie viele VMs laufen, und wie viel Ressourcen brauchen sie wirklich? 

  • Status Quo der vorhandenen physischen Server: Alter, Garantielaufzeit, Wartungsverträge, Performance-Reserve 

  • Zukunftstauglichkeit der physischen Server: Sind sie kompatibel mit der Zielplattform? Lohnt sich der Weiterbetrieb noch, oder kommt ohnehin bald eine Neuanschaffung? 

  • Lizenzmodell und Vertragslaufzeit bei VMware: Perpetual oder Subscription, wann läuft was aus? 

  • Abhängigkeiten zu Backup-Software, Monitoring und Drittsystemen 

Warum das der wichtigste Schritt ist:

Ohne diese Zahlen können Sie weder intern eine Entscheidung herbeiführen, noch zielgerichtet mit einem Dienstleister sprechen. Das Ergebnis dieser Phase ist ein Dokument, mit dem Sie in die Geschäftsführung gehen können.

Was typischerweise schiefgeht:

Schatten-VMs, die keiner mehr auf dem Schirm hat. Testumgebungen, die irgendwann produktiv geworden sind. Undokumentierte Abhängigkeiten zwischen VMs und Storage-Systemen. Und Server, deren Garantie bereits ausgelaufen ist, ohne dass es im Asset-Management vermerkt war. Je älter die Umgebung, desto mehr Überraschungen stecken drin.

Phase 2: Plattform und Betriebsmodell wählen

Hier werden zwei Entscheidungen gleichzeitig fällig, die in den meisten Vergleichsartikeln getrennt behandelt werden. Die eine Frage ist: Womit? Die andere: Wo?

Womit: Hyper-V oder Proxmox

Für den Mittelstand mit 20 bis 500 Usern sind das die beiden realistischen Alternativen. Pauschal lässt sich aber nicht sagen, welche „besser“ ist. Die Antwort hängt an Ihrer konkreten Ausgangslage.

Worauf es bei der Entscheidung wirklich ankommt, also Gesamtkosten über mehrere Jahre, Abhängigkeit vom Hersteller und die ehrliche Frage nach den Skills in Ihrem Team, haben wir in einem eigenen Vergleichsbeitrag aufgearbeitet.

Und nein: Sie müssen sich nicht vor einem Erstgespräch mit einem Dienstleister festlegen. Wir bei SAC beraten und setzen beides um, Hyper-V und Proxmox. Welche Plattform besser passt, ergibt sich aus Ihrer Bestandsaufnahme und den Skills in Ihrem Team.

Wo: Eigener Serverraum, Housing oder Private Cloud

Die Plattformfrage lässt sich nicht isoliert beantworten. Parallel sollten Sie prüfen, ob Sie Ihre Server weiterhin selbst betreiben wollen. Die aktuellen Umstände machen den Eigenbetrieb zunehmend unwirtschaftlich und bringen immer mehr Mittelständler dazu, den Betrieb in eine Private Cloud zu verlagern. Eine Einordnung der drei Betriebsmodelle finden Sie im Beitrag On-Premise, Housing oder Hosting.

Was typischerweise schiefgeht:

Die Plattform-Entscheidung wird zu lange vor sich hergeschoben, weil „noch nicht alle Informationen da sind“. In der Praxis reicht die Bestandsaufnahme aus Phase 1, um eine fundierte Empfehlung zu treffen. Wer auf den perfekten Zeitpunkt wartet, wartet meistens zu lang.

Phase 3: Transferumgebung aufbauen und Pilot-Migration

Bevor produktive Systeme bewegt werden, wird eine temporäre Transferumgebung aufgebaut. Sie ist die Bühne, auf der zunächst der Pilot und anschließend die produktive Migration stattfindet, ohne die alte Plattform anzutasten.

Warum eine Transferumgebung?

  • Kein Big-Bang-Wochenende: Die alte und die neue Welt existieren parallel. Sie ziehen VMs einzeln um, statt alles auf einmal zu kippen. 

  • Jeder Schritt ist reversibel: Funktioniert eine VM auf der neuen Plattform nicht wie erwartet, läuft sie auf der alten unverändert weiter. Rollback ohne Druck. 

  • Risikofreier Test unter Echtbedingungen: Sie testen mit realen Workloads, nicht mit Laborumgebungen. 

  • Downtime wird auf ein Minimum reduziert: Der Cut-over jeder einzelnen VM dauert oft nur Minuten. 

Der Pilot in der Transferumgebung:

In dieser Phase migrieren Sie 3 bis 5 unkritische Test-VMs in die Transferumgebung. Sie konvertieren die VMs, prüfen Netzwerk-Konfiguration, Storage-Anbindung und Backup-Integration und schalten das Monitoring auf die neuen Systeme auf.

Manche Dinge fallen erst hier auf: Treiber-Inkompatibilitäten, Netzwerk-Adapter, die sich nach der Migration anders verhalten, Boot-Mode-Wechsel von BIOS auf UEFI. VMs sind nicht einfach Festplatten-Dateien. Sie hängen an Netzwerk-Einstellungen, virtuellen Controllern, Lizenzen und Nachbarsystemen.

SAC-Tipp: Migration über die Private Cloud als Bypass

Wenn Sie die neue Umgebung am Ende wieder On-Premise betreiben wollen, lohnt sich ein kleiner Umweg, der das Projekt entkoppelt: Wir migrieren Ihre VMs zunächst temporär in unsere Private Cloud im DARZ-Rechenzentrum in Darmstadt. Dort läuft Ihr Betrieb stabil weiter, während der neue Hypervisor auf Ihrer On-Prem-Umgebung eingerichtet wird. Sobald die finale Umgebung steht und getestet ist, ziehen die VMs ein zweites Mal um, von der Private Cloud auf Ihre neue Hardware.

Was nach dem Pilot feststehen sollte:

  • Der Migrationsweg ist validiert 

  • Sie wissen, wie lange eine VM-Migration dauert 

  • Sie haben einen Rollback-Plan, der funktioniert 

Phase 4: Produktive Migration

Jetzt wird es ernst. Das Grundprinzip: Workloads in Wellen migrieren, nicht als Big Bang.

So läuft es in der Praxis:

Gruppieren Sie Ihre VMs nach Kritikalität:

  • Unkritische Systeme zuerst 

  • Standard-Anwendungen als zweite Welle 

  • Geschäftskritische Systeme zuletzt 

Die Transferumgebung aus Phase 3 bleibt aktiv. Die alte und die neue Plattform laufen für die gesamte Migrationsdauer gleichzeitig. Bei Problemen ist der Weg zurück offen.

Backup und Monitoring ziehen Sie parallel mit. Nicht „danach“. Wenn die ersten produktiven VMs auf der neuen Plattform laufen und das Backup noch auf VMware konfiguriert ist, haben Sie im Ernstfall ein Problem.

Was typischerweise schiefgeht:

  • Dokumentation nicht mitführen. Nach der Migration weiß dann keiner mehr, welche VM wo läuft und warum.

  • Hardware-Beschaffung nicht rechtzeitig anstoßen. Falls Sie für die neue Plattform neue Server brauchen, planen Sie das frühzeitig ein. Die aktuelle Marktsituation bei Server-Hardware ist anspruchsvoll: Preise sind deutlich gestiegen, Lieferzeiten liegen je nach Hersteller und Konfiguration bei mehreren Monaten. Mit dem Bypass über unsere Private Cloud lässt sich dieses Risiko entkoppeln (siehe Phase 3).

Phase 5: Übergabe in den Regelbetrieb

Hier endet bei den meisten Vergleichsartikeln der Fahrplan. In der Praxis fängt hier der eigentliche Aufwand an.

Ein neuer Hypervisor heißt:

  • Patch-Routinen aufsetzen 

  • Monitoring auf neue APIs umstellen 

  • Notfallpläne überarbeiten 

  • Dokumentation aktualisieren 

Und jemand muss das alles dauerhaft betreiben, nicht nur einmal einrichten.

Eine moderne IT-Plattform braucht ein stabiles Fundament im laufenden Betrieb. Ohne das wird die Migration zum Pilotprojekt, das technisch funktioniert, aber operativ nie richtig ankommt.

Wer ein starkes internes Team mit Virtualisierungs-Erfahrung hat, kann das selbst stemmen. Wer aber merkt, dass die Migration plus laufender Betrieb das Team überlastet, hat zwei Optionen:

  • Skills intern aufbauen (Schulungen, Zertifizierungen, Rufbereitschaft) 

  • Den Betrieb an einen Managed-Service-Partner übergeben 

Bei SAC gehen wir das so an, dass wir nicht nur die Migration begleiten, sondern auf Wunsch auch den laufenden Betrieb danach übernehmen. Mit 24/7-Service-Desk, Monitoring und Infrastruktur im DARZ-Rechenzentrum in Darmstadt. Das ist nicht für jeden die richtige Antwort. Aber für IT-Abteilungen, die schon im Tagesgeschäft am Limit laufen, ist es meistens die pragmatischere.

Die fünf Phasen einer VMware-Ablösung im Überblick

Phase Dauer Was passiert Ergebnis
Bestandsaufnahme 1–2 Wochen Aufnahme der virtuellen Umgebung und Auslastung, Status quo und Zukunftstauglichkeit der physischen Server, Lizenzmodell und Abhängigkeiten Belastbare Datenbasis für die Geschäftsführungs-Entscheidung
Plattform und Betriebsmodell wählen 2–3 Wochen Entscheidung zwischen Hyper-V und Proxmox (Womit) sowie zwischen On-Premise, Housing und Private Cloud (Wo) Festgelegte Zielarchitektur und Dienstleisterwahl
Transferumgebung und Pilot 2–3 Wochen Aufbau einer temporären Transferumgebung, Pilot-Migration von 3 bis 5 unkritischen VMs, Validierung von Netzwerk, Storage, Backup Validierter Migrationsweg, funktionierender Rollback-Plan
Produktive Migration 3–5 Wochen Migration der produktiven VMs in Wellen (unkritisch zuerst, geschäftskritisch zuletzt), Parallelbetrieb von alter und neuer Plattform Alle VMs auf der neuen Plattform produktiv
Übergabe in den Regelbetrieb 1–2 Wochen Patch-Routinen, Monitoring, Notfallpläne und Dokumentation finalisieren, Übergabe an internes Team oder Managed-Service-Partner Stabile Plattform im Regelbetrieb

Hilfreiche Inhalte zur VMware Ablösung:

Fazit

Die größte Gefahr ist nicht die Deadline selbst, sondern der fehlende Fahrplan. Die reine Migration dauert bei strukturiertem Vorgehen 2 bis 3 Monate. Wer jetzt mit einer Bestandsaufnahme startet, hat genug Zeit. Wer wartet, migriert unter Druck.

Foto von dem IT-Infrastruktur-Leiter der SAC GmbH. Ein Mann mit kurzen braunen Haaren und einem schwarzen Polo mit dem Company Logo.

Der Artikel ist von

Jan Wiechmann

Jan Wiechmann leitet die Infrastruktur bei SAC und verantwortet den Betrieb sowie die Weiterentwicklung der IT-Systemlandschaft am Standort Darmstadt.

FAQ

Wie lange dauert eine VMware-Ablösung von Anfang bis Ende?

Bei strukturiertem Vorgehen im Mittelstand: 2 bis 3 Monate von der Bestandsaufnahme bis zum stabilen Regelbetrieb auf der neuen Plattform. Davor liegen interne Entscheidungsprozesse, Budgetfreigaben und gegebenenfalls Hardware-Beschaffung, die die gesamte Vorhabensdauer verlängern können.

Muss ich mich vor einem Erstgespräch schon für Hyper-V oder Proxmox entscheiden?

Nein. Ein Dienstleister, der beide Plattformen berät und umsetzt, evaluiert das mit Ihnen im Rahmen der Bestandsaufnahme. Die Plattform-Empfehlung ergibt sich aus Ihrer Infrastruktur, den Team-Skills und dem gewünschten Betriebsmodell.

Was passiert, wenn ich die Oktober-2027-Deadline verpasse?

Ab 12. Oktober 2027 bekommen keine Sicherheits-Patches mehr für vSphere 8. Das erhöht das Risiko für Schwachstellen und kann Compliance-Probleme auslösen. Eine ausführliche Erklärung finden Sie in unserem VMware-Broadcom-Leitfaden.

Kann ich die Migration neben dem Tagesgeschäft stemmen?

Realistisch: nur mit externer Unterstützung oder einem dedizierten Projektteam intern. Wer die Migration „nebenbei" plant, landet erfahrungsgemäß bei deutlich längeren Zeiträumen und höheren Risiken in der Umsetzung.

Was kostet eine VMware-Migration?

Das hängt von der Anzahl der VMs, der Zielplattform und dem Betriebsmodell ab. Eine belastbare Aussage ist erst nach einer Bestandsaufnahme möglich. Als ersten Schritt bieten wir ein kostenloses 30-Minuten-Erstgespräch an, in dem wir gemeinsam einschätzen, wo Sie stehen.

IT-Wissen für den Mittelstand

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